Bei den noblen Empfangssälen des Schlosses wurden die künstlerisch wichtigsten und somit am strengsten geschützten lediglich einer konservierenden Restaurierung unterzogen, welcher entsprechende historische Studien und stratigraphische Auflagen seitens der Oberaufsicht vorangegangen waren.

Es gibt 15 wichtige Bereiche, verteilt auf die beiden Seiten der zentralen Halle – sie sind das Herzstück des Haus-Museums, welches das Castello di Guarene verkörpert.

 

Wenn der Gast von heute in den 15 historischen auf beiden Seiten der Ehrenhalle verteilten Bereichen umherwandelt, so sieht er um sich herum die gleichen Dinge, die seinerzeit auch von den Augen des Königspaares erblickt wurden.

 

Die Stanza del Vescovo – das immer noch intakte Bischofszimmer – bietet weiterhin eines der spektakulärsten Beispiele der „Bandera“ in fantasievollen Designs, gestickt mit mehrfarbiger Wolle auf einem besonderen Baumwollgewebe. Ebenso wie die „Camera Azzurra“ (das Blaue Zimmer), in dem die Stickereien in „Bandera“ stilisiert sind mit schlanken Girlanden und Blumensträußen.

 

Sala Cinese – wer sich in einem der beiden festlich mit „Carte alla Cina“ verkleideten Chinesischen Räumen aufhält, sollte bedenken, dass man diese Tapisserien in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts aus dem Orient kommen ließ, zuerst über London und dann weiter per Schiffsreise nach Marseille und von dort aus wurden sie mit dem Maultier zum Schloss transportiert.
Sie sind immer noch präsent, perfekt erhalten und in guter Gesellschaft mit den Seidenstoffen des Himmelbettes, die mit orientalischen Motiven verziert sind.

 

Die Gäste des Schlosses können dann, wenn sie den Blick auf die Gewölbefresken des Speisesaales richten, den Vergleich mit denen der Palazzina di Caccia (des Jagdschlosses) der Stupinigi anstellen, und sie werden erkennen, dass die Deckengestaltungen von Guarene diesen in puncto Schönheit in nichts nachsteht. Wunderschön auch das Deckengewölbe des Musiksaales aus dem neunzehnten Jahrhundert.

 

Die Malereien auf den Türsimsen und Wänden bilden gemeinsam eine wahre – alles andere als zweitklassige – Gemäldegalerie. Eine Vielzahl an Gemälden beeindruckt wegen ihrer Bedeutung, so wie die wunderschöne Madonna della Cappella (Marienkapelle) und die Landschaften von Scipio und Vittorio Amedeo Cignaroli. Und dann gibt es für die Wissbegierigen noch einen Reichtum der Vergangenheit zu entdecken: rund achtzig Persönlichkeiten wie Fürsten, Könige, Bischöfe, Ritter und edle Damen – eine außergewöhnliche Galerie von Gesichtern, Geschichten und unveröffentlichten Memoiren. Und als letztes Highlight für die Damenwelt: Die Kleider der edlen Damen verleihen der Darstellung der weiblichen aristokratischen Mode im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert wahres Leben.

 

Das Schloss bietet auch einen Streifzug durch das schön antike Mobiliar, von geschnitzten Holztruhen aus dem siebzehnten Jahrhundert bis zu den schönsten Exemplaren Ludwigs des XVI.

 

Ein kleines Wunder für Kenner aber auch ein Spektakel für alle ist die Bibliothek, welche im Laufe der Jahrhunderte viele Bücher in kostbaren Einbänden angesammelt hat. Einige dieser Bände sind Unikate.